Mir wurde ein wunderbares Geschenk gemacht: Geschichten!

Geschrieben von Freunden, Bekannten, Verwandten, die meine Drachenbilder gesehen haben und losgedichteten.

Hier schreibe ich einige davon auf und möchtes Sie anregen selbst loszudichten.

Schicken Sie mir gerne ihre Drachenmärchen für den Blog.

Los gehts:

Furchtlose Echse und Florian

 

Es war einmal eine furchtlose Echse, die Furchtlose Echse hieß. Sie liebte das Feuer über alles. Wenn sie auftauchte, verbreitete sie jedoch Angst und Schrecken in allen Ecken, denn wenn es gerade nirgendwo auf der Welt ein Feuer gab, entzündete sie eins. Ihr Schuppenkleid war sehr hitzebeständig. Meistens war sie allein. Eines Tages, sie hatte gerade ein schönes Feuer entdeckt, traf sie eine andere ihrer Art, die Florian hieß. Er wollte zum gleichen Feuer. Sie stritten sich, wem das Feuer gehören sollte. Zuerst beschimpften sie sich. »Du bist ein doofer Mehlhaifisch!« »Du bist ein blödes Suppenhuhn!« Das war zuviel für Furchtlose Echse. »Niemand nennt mich Huhn!« Furchtlose Echse stellte die Kopfkrause auf und legte die feuerroten Backenfächer frei. Dann ging sie zum Angriff über. Sie hauten und bissen sich. Beide waren sehr starke Drachen. »Das tut weh, hör auf!«, sagte Florian. Sein Gegner war doch noch stärker als er und hatte keine großen Wunden. »Wollen wir uns nicht einigen und das Feuer teilen?  Jeder bekommt eine Hälfte«, schlug Florian vor. »Nein, das geht nicht. Ein Feuer brennt nie gleichmäßig, dann hat ja einer mehr als der andere! Aber da hinten sehe ich ein anderes Feuer. Geh’ doch da hin, ich habe schließlich gewonnen!« Florian gab nach und ging zu dem anderen Feuer. Es gefiel ihm sogar noch viel besser, als das andere. So wurden beide glücklich.

Philine

Bild: Tellue (02)



Wie der Fuchsbeschützer zu seinem Namen

 

Ihr wollt wissen, wie der Fuchsbeschützer zu seinem Namen kam? Kaum ein Mensch kennt die Geschichte. Ich hörte sie als kleiner Junge von einem weit gereisten Märchenerzähler.
Als der kleine Drache die Augen öffnete, war es stockfinster um ihn herum. Er konnte sich vor Enge kaum bewegen, ein Arm und der Kopf taten ihn weh. Er hatte geträumt, dass er beim Klettern vom Felsen über seiner Elternhöhle in den Fluss gestürzt und in rasendem Tempo von der brodelnden, schäumenden Flut mitgerissen worden war. Wo war das Mondlicht, das die Höhle nachts bläulich schimmern ließ? Und warum roch es so merkwürdig? Vor allem aber: Wo waren seine Eltern und Geschwister? Träumte er immer noch? Er schluchzte auf, als er plötzlich etwas Feuchtes im Gesicht spürte und ein beruhigendes, fast zärtlich klingendes Schnurren hörte. Es ängstigte ihn aber erstaunlicher Weise nicht, sondern klang so beruhigend, dass er nach einer kleinen Weile wieder in den Schlaf fand. Als er das nächste Mal erwachte, roch es immer noch merkwürdig, aber er konnte sich etwas besser bewegen. Ein Lichtstrahl fiel durch eine kleine Öffnung in die enge Behausung. »Bist du endlich aufgewacht, Kleiner?« erklang eine Stimme über ihm. Der Drachenjunge zuckte vor Schreck zusammen und sah sich ängstlich um. Sein immer noch schmerzender Kopf lag weich gebettet – im Schoß einer Füchsin! Das war kein Traum, er lag wirklich in einem engen Fuchsbau unter der Erde. Tränen kullerten aus seinen schönen, großen, dunklen Augen. Wieder erklang das leise Schnurren und er beruhigte sich. »Drei Tage warst du ohnmächtig, nachdem wir dich am Flussufer gefunden haben«, begann die Füchsin zu erzählen. »Wir haben deine Wunden geleckt und ich habe dir Milch eingeflößt. Was ist dir zugestoßen?« Der kleine Drache erzählte von seinem Felsensturz. An die Zeit danach konnte er sich kaum noch erinnern. Und auch die Erinnerung an seine Familie verblasste allmählich. Alle Versuche der Füchsin, seine Familie zu finden, waren erfolglos geblieben. Sie nahm den kleinen Drachen in ihre Familie auf und seine Fuchsgeschwister waren bald von ihrem neuen Spielgefährten sehr angetan.

Als der kleine Drache schon gar kein Kleiner mehr war – längst schlief er nachts unter dem Baum über dem Fuchsbau –, erfasste ihn eine unerklärliche Sehnsucht. Besonders, wenn die Sonne unterging und alles in rötliches Licht tauchte, überfiel sie ihn. Er war zu einem stattlichen Drachen mit einem schönen tiefblauen, oben gelb-rot gesprenkelten, Ringpanzer heran gewachsen. Seinen Kopf zierten zwei kleine grüne Hörner. »Du musst nun auf die Suche nach einer Gefährtin gehen«, riet ihm die kluge Füchsin, obwohl es ihr sehr schwer fiel, ihn ziehen zu lassen. »Geh immer flussaufwärts, dann wirst du hoffentlich auf andere deiner Art oder sogar deine Familie treffen. Und vergiss uns nicht.« »Ich komm wieder«, versprach der Drache, »und dann werde ich euch beschützen, so wie ihr es mit mir getan habt.« Der Drache hielt Wort. Nachdem er eine Gefährtin gefunden hatte, kehrte er mit ihr zurück. Er und seine Nachkommen  bewachten fortan den Schlaf von, ganz besonders den von weiblichen, Füchsen.

 

Ma

Bild: Fox Guardian (013)


Drachen machen vielleicht Sachen

 

Fassen sich mit dreckschen Pfoten in den Rachen

und können darüber auch noch lachen.


Sie wachen vor ihrer Höhle mit Gejöhle

Sie können Feuer spucken, dass einem die Haare jucken.


Wenn een Kopp mal Ruhe braucht,

dann schaltense den einfach aus,

gibt ja noch paar andre mehr –

die hängen sonst nur kreuz und quer.


Und haben sie mal Schmerzen im Rachen

dann lutschen sie natürlich – Achtung: Rachendrachen!

 

Annij


Myoos Glühwürmchen

 

Myoo, ein sehr scheuer und seltener Walddrache, liebte es, sich am Tag zwischen Bäumen und Zweigen für fremde Augen unsichtbar zu machen. Menschen konnten höchstens ein geheimnisvolles Schimmern zwischen den Bäumen oder Zweigen erkennen. Wirklich sehen konnten sie den Drachen aber nicht. Myoo beobachtete sehr gerne die funkelnden Glühwürmchen zwischen den Ästen. Er wollte sie bei sich haben. Nächtelang streifte er durch den Wald, immer auf der Suche nach ihnen. Aber es wollte ihm einfach nicht gelingen, sie einzufangen.  Er stieß sich an Ästen, stolperte über Wurzeln und immer waren sie wieder fort. Offenbar waren sie genauso scheu wie er. Das machte ihn traurig. Eines Abends sah er, wie sich der leuchtende Mond im Wasser eines kleinen Waldsees spiegelte. »Dann fange ich eben den Mond«, dachte er sich – und sprang in das kalte Wasser. Zum Glück schützte sein Schuppenpanzer ihn vor der Nässe. Aber auch der Mond wollte sich nicht fangen lassen. Enttäuscht schlängelte Myoo sich zu seinem Nachtlager und kuschelte sich zwischen den Birkenzweigen ein. Plötzlich erblickte er, ein Stückchen über sich, viele leuchtende Glühwürmchen. »Ich muss sie also gar nicht fangen«, dachte er. Glücklich schlief Myoo ein.

Carina

Bild: Myoo (04)


Frühlingsphantasien

 

Auf der grünen butterblumenübersäten Wiese

– weit und breit war keine schön wie diese –

lagen auf dem Rücken Frieder und Luise


Über strahlendblauen Himmel zogen

zuckerwatteweiße Wolken einen Bogen


Sieh mal, sagte Frieder plötzlich, diese

Wolke sieht aus wie ein weißer Riese

Wirklich wahr, erwiderte Luise

sag, woran erinnert dich denn diese?


Lange lagen sie so da und rieten Wolkentiere,

sahen Schafe, Elefanten, sogar weiße Stiere

Frieder lachte lauthals über Muske-Tiere

Keine, fand Luise, warn so hübsch wie ihre


Die Sonne sank, der Himmel war nun rötlich –

Was sie nun sahen, war das wirklich möglich?

Die Wolken sahen plötzlich aus

ganz wie ein roter Drachen,

der blauen Feuerstrahl spie aus dem Rachen,

als er durch dicke Haufenwolken flog


Die Phantasie ist mit uns durchgegangen

riefen nun beide, doch sie sprangen

schnell auf und liefen heimwärts – Frieder und Luise –

über die butterblumengelbe Wiese


Fast wäre Frieder dabei auf ein Nest getreten,

ganz in der Nähe hinter einem Busch, wo sie gelegen,

drei hübsche Eier, rot, mit gelben Punkten

lagen darin, im Erdreich halb versunken

Sie wagten nicht, den Blick noch mal zu wenden

So muss denn die Geschichte hier nun enden

ohne dass sie die Wolkentier - Frau richtig sahen,

die auf dem Weg aus eisiger Höhe war,

drohend ihnen sich zu nahen.


Epilog

Den kräftezehrend blauen, heißen Feuersstrahl

speit diese Sorte Drachen selten und zwar nur

um sich und eigne Brut vor Frevlern zu beschützen

und so dem Fortbestand

des Wolkentiergeschlechts zu nützen.

 

Ma

Bild: Wolkentier (07)


Ein Schlückchen in Ehren kann kein Drache verwehren

 

Der Diamantwächter braucht, von wegen seiner Aufgaben, die Diamanten zu bewachen, schon ein, zwei Augen mehr. Da kommen ihm die drei Köpfe sehr gelegen. Wahrscheinlich hortet er seine aufgespürten Diamanten, und ein Hals genügt da nicht, um ihn nicht voll genug zu bekommen. Selbst Siegfried würde an einem solchen massigen Körper scheitern. Um seine Diamanten sicher zu verwahren, kommen sie in eine klare Flüssigkeit, da sie darin von Menschenaugen nicht gesehen werden können. Hier bevorzugt der Diamantwächter das königliche Getränk »Gin«. Natürlich muss bei jeder Flasche, in die die Diamanten kommen, ein Schlückchen abgetrunken werden. Schon aus Platzgründen. Das gibt unserem Diamantwächter ein beschwingtes Aussehen und er lässt seine drei Köpfe lustig umeinander kreisen.

 

Pa

Bild: Diamantwächter (09)


Der Goldlenker

 

Der Goldlenker ist ein erstaunliches Wesen, denn er kann die Gedanken von Walen lesen. Ihr Singen und Lachen verzücken ihn ganz, verleihen dem Drachen den besonderen Glanz. Eine feine Goldspur zieht er hinter sich her, verteilt sein Schuppengold im ganzen Meer. Als Wasserdrache lebt er tief unten im Ozean, schläft gerne am warmen Unterwasser-Vulkan. Er ist verspielt und verwirbelt mit Freude den Sand, saust schnell vorbei an der lebhaften Riff-Wand. Mit exotischen Fischen und leuchtenden Korallen, mit frechen Haien und glibberigen Quallen.

 

Nadja

 Bild: Golkdenker (016)


Memories

 

Hagward war ein Ästhet.

Er hatte es sich auf seiner Lieblingsdecke gemütlich gemacht. Sie erinnerte ihn mit ihrem altmodisch anmutenden Muster an die Seidentapete, mit der die Wände im Damensalon von Traquaire-House bespannt gewesen waren. In seiner Jugend lag er oft, versteckt hinter dem hübsch mit schottischen Landschaften bemalten Wandschirm, und lauschte den Plaudereien der jungen Ladys. Mein Gott, war es wirklich schon über  200 Jahre her? Er schloss seine Augen und hörte die Stimme von Lady Anne. »Könnt ihr euch vorstellen, dass Jamie die Wände meines Salons auch mit dem Tartan unseres Clans bespannen wollte? Zugegeben, wir haben das schönste Muster in ganz Scottland, aber muss man es an allen Wänden sehen, so dass einem die Augen flimmern? Außerdem spukt es auch noch in unserem neuen Castel. Ständig verschwinden Pantoffeln, immer nur einer. Manchmal findet man sie an ganz unmöglichen Stellen, im Keller, auf dem Dachboden oder sogar im Pferdestall.« Hagward hörte das Lachen der Ladys, öffnete seine Augen und musste nun auch kichern. Er und seine Familie hatten einen großen Anteil an den schottischen Spukgeschichten. Sein Großvater Hagobar hatte im 17. Jahrhundert die blutigen Kämpfe zwischen den Engländern und Schotten miterlebt. Mehrmals mussten er und seine Familie dann die zerstörten Castels, in denen sie sich häuslich eingerichtet hatten, verlassen und sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Wie sein Vorfahren das gehasst hatten! Nur eine kleine Rache war es  da gewesen, den Pantoffelspuk zu begründen. Hagward selbst hatte sich immer die schönsten, brokatenen Exemplare ausgesucht und darauf geachtet, dass sie mit weichem Schaffell gefüttert waren, da sie ihm als Schlafhöhle dienten. Sosehr er auch Veränderungen hasste – für Pantoffeln galt das nicht. Wenn ein neuer, noch hübscherer auftauchte, schnappte er sich Haustier, goldenen Fingerhut sowie seine Kuscheldecke und zog um

Sein Pantoffeltierchen »Parameci« lebte in einem klitzekleinen Aquarium, das gerade so in den Pantoffel passte. Es bereitete ihm Freude, seinen drolligen Bewegungen zuzuschauen. Den goldenen Fingerhut hatte er Lady Anne gemopst – woraus sollt er denn sonst den Whisky trinken, den er sich aus der Flasche des Hausherrn abfüllte? Seine bevorzugte Sorte war Laphroaig, ein exquisiter Single Malt, torfig und rauchig, einfach herrlich. Auch das hatte zu mancher Spukgeschichte beigetragen, denn nachdem zunächst das Personal des Whiskydiebstahls verdächtigt wurde, versteckte der Hausherr seinen Whisky an geheimen Orten. Pah, aber doch nicht geheim genug für einen meiner Art! Hagward konnte einen mächtigen Stiefel vertragen, was man ihm ob seiner geringen Größe nie zugetraut hätte. Er strich sich zärtlich über seinen Bauch, wohlgeformt von Whisky und Ale. Auch jetzt nahm er einen kräftigen Schluck und gab sich wieder seinen Erinnerungen hin. Er schloss die Augen und schlief ein. Für immer.

 

Ma

Bild: Haggard (020)